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Im Jahre 1899 wurde in Berlin der Deutsche Automobilclub (DAC) gegründet. Die Anregung dazu kam von I. K. H. Großherzogin Anastasia von Mecklenburg-Schwerin.

Wer in den DAC eintrat, hatte – neben dem gesellschaftlichen Ansehen – eine Fülle von Vorteilen, in deren Genuss er kam. Die Mitgliedschaft in dieser geschlossenen, exklusiven Gesellschaft wurde gerne mittels DAC-Plakette, gut sichtbar am Kühlergrill des Fahrzeuges angebracht, demonstriert. Zu den Mitgliedern zählten viele Adlige, Militärs gehobener Positionen, Gutsbesitzer, Direktoren, Bankiers, Kommerzienräte, Politiker und Diplomaten. In einer gewissen Position war es unerlässlich, im DAC Mitglied zu sein, denn dieser war die einzige Institution in Berlin, bei der es möglich war, mit den Spitzen des Wirtschaftsbürgertums Konversation zu führen.

Seine erste Bewährungsprobe hatte der DAC 1904 zu meistern, denn ihm wurde die Ausrichtung des Gordon-Bennett-Rennens am 17. Juni im Taunus übertragen. Diese Konkurrenz, von dem Herausgeber des „New York Herald“ im Jahre 1899 als Wanderpokal gestiftet, genoss internationale Bedeutung und hatte eine beispiellos starke Rückwirkung auf die internationale Automobilindustrie. Der DAC als Verwalter des Rennens lenkte somit die gesamte internationale Aufmerksamkeit auf sich. Start und Ziel des Rennens lagen vor der Kaisertribüne auf dem Saalburghügel, auf der auch der Kaiser dem Rennen beiwohnte. Deutschland verteidigte seine Ehre würdevoll vor des Kaisers Augen, den Sieg trug jedoch Frankreich davon. Die Herausforderung, ein Rennen dieses Renommés auszurichten, bestand der DAC insgesamt jedoch mit Bravour. Kaiser Wilhelm war derart angetan von den Leistungen des Clubs, dass er im selben Jahr die Ehrenmitgliedschaft annahm.

Auf Initiative des DAC trafen sich im Anschluss an das Rennen am 20. Juni 1904 die Vertreter der anwesenden internationalen Automobilclubs in Bad Homburg, um sich über die Gründung eines Automobil-Weltverbandes zu beraten. Aus diesen Beratungsgesprächen resultierte die in Paris gegründete "Association Internationale des Automobile-Clubs Réconnus" (AIACR), der internationale Zusammenschluss aller anerkannten nationalen Automobilclubs. Gründungsmitglied dieses Weltverbandes, der heutigen FIA, ist der DAC.

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Am heiligen Abend 1905 begann für den DAC eine neue, wegweisende Ära: Kaiser Wilhelm II. übernahm „mittelst allerhöchster Kabinettsorder“ das Protektorat über den Club. Seitdem genoss der Club das einzigartige Privileg, sich Kaiserlicher Automobil-Club, KAC, nennen zu dürfen.

Mit dem Kaiser und seinem Bruder, Prinz Heinrich von Preußen, hatte der KAC zwei überaus einflussreiche und wichtige Förderer hinter sich stehen. Besonders wegweisend waren die Bande mit dem seit jeher sehr motorsportaffinen Prinz Heinrich. Dieser übernahm zahlreiche Protektorate, wie die der Internationalen Automobil-Ausstellung 1906, und war auch Namensgeber für eigene Rennen, wie der Prinz-Heinrich-Fahrten.

Der KAC engagierte sich auch in Fragen der Verkehrsinfrastruktur und der Verkehrsregelung sowie -sicherheit stark. So beteiligte sich der Club ab 1906 aktiv an der Entwicklung der ersten Verkehrsregeln. Daneben nahm er sich in der Vereinsarbeit auch sozialer und touristischer Fragestellungen an. Fragen der Straßenverkehrsverbesserung, der Technik, der Sicherheit, der Abwehr übermäßiger Belastung des Autofahrers und der Motor-Touristik fielen in seinen Aufgabenbereich. Eine Pensionskasse für Chauffeure wurde gegründet, die später unter dem Namen "Kaiser-Wilhelm-Stiftung" auf sozialem Gebiet für Fahrer, die beispielsweise durch Unfall in Not geraten waren, sehr viel getan hat.

Allgemein war das damalige Gründungsziel des Clubs, die Position Deutschlands unter anderem im Automobilsport zu stärken, nahezu erreicht. Der KAC veranstaltete regelmäßig Rennen, an denen Prinz Heinrich persönlich teilnahm. Dazu zählten unter anderem das Kaiserpreis-Rennen 1907, die Herkomer-Konkurrenzen 1905-1907 und natürlich die Prinz-Heinrich-Fahrten 1908-1910. Diese Rennen, deren Veranstaltungsorte über ganz Deutschland verteilt waren, wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und förderten die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Automobils enorm.

International gestärkt war der KAC u.a. durch seine zahlreichen Kartellverbindungen ins Ausland. Zu diesen zählten unter anderem die Automobilclubs in Amerika, Groß-Britannien (Royal Automobile-Club), Frankreich, Belgien, Italien, Niederlande, Dänemark, Portugal, Russland, China oder auch Ägypten. Dem nationalen Kartell des KAC gehörten insgesamt 31 Automobilclubs in Deutschland an.

Eine jähe Unterbrechung fand die Entwicklung des Automobils durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges. Der KAC agierte zwar weiterhin in seinen Funktionen, war aber durch die Kriegsereignisse erheblich eingeschränkt. Nach dem Krieg änderte der KAC durch Beschluss einer außerordentlichen Generalversammlung am 7. Dezember 1918 seinen Namen in Automobilclub von Deutschland, AvD.

2012 wurden durch die Gründung des KAC vergangene Traditionen wiederbelebt. Der neue, alte KAC ist ein lebensstil-orientierter Club "Im kleinen Kreis" für Freunde von Klassikern und dem "Savoir vivre" zur Erhaltung der Freude an den ingenieurstechnischen Spitzenleistungen seiner Zeit - von Kennern für Kenner - auf Basis authentischer Geschichte und Traditionen. Dabei werden jedoch nicht nur die Begeisterung für die damaligen automobilen Errungenschaften geteilt, sondern auch zugleich heutige sowie zukünftige Innovationen wertgeschätzt, thematisiert und diskutiert. Der K.A.C. baut Brücken zwischen dem Gestern, dem Heute und dem Morgen!